Konzert: Händel & Friends in Enger am 26.9.14

Frank Oberschelp- Blockflötte & Sonja Kemnitzer- CembaloIm Rahmen der Konzertreihe CANTart  findet als Aufakt des Ensembleworkshops EN BLOCK dieses besondere Konzert am 26.9.14 um 19.00 Uhr in der Stiftskirche Enger statt . Das Programm Händel & Friends präsentiert die Musik Georg Friedrich Händels im musikalischen Umfeld Londons mit Werken seiner Kollegen Johan Helmich Roman, Giuseppe Sammartini, Georg Philipp Telemann und Francesco Geminiani. Ausführende sind Frank Oberschelp- Blockflöte & Sonja Kemnitzer- Cembalo

Karten sind an der Abendkasse erhältlich (9 € / 8,- € TeilnehmerWorkshop / 4,50 € Schüler / 18 € Familien) weitere Infos zum Programm:

Das Programm:

Georg Friedrich Händel (1685 – 1759)

Sonate C-Dur HWV 365

Larghetto- Allegro- Larghetto

Tempo di Gavotta- Allegro

Rinaldo HWV7

Ouverture- Staccato- Jigg

Lascia ch’io pianga

Molto voglio- Il vostro maggio

Johan Helmich Roman (1694-1758)

Sonate III c-moll

Largo- Allegro- Adagio- Vivace- alla Francese

Giuseppe Sammartini (1695-1750)

Sonate B-Dur

Allegro- Adagio- Allegro

Georg Philipp Telemann (1681-1767)

Sonate d-moll

Affetuoso- Presto- Grave- Allegro

Georg Friedrich Händel (1685 – 1759)

Suite E-Dur

Praeludium- Allemande

Courante- Air

Francesco Geminiani (1687- 1762)

Ann thou were my ain thin

Zum Programm:

Als Händel 1711 nach London kam, war die Blockflöte eines der beliebtesten Instrumente im Amateurbereich, mit einer großen Nachfrage nach neuer Spielliteratur. Zahlreiche große Orchester- und Instrumentalwerke wie z.B. die Triosonaten und Concerti grossi von Arcangelo Corelli fanden eine weite Verbreitung durch zahlreiche Drucklegungen und geschickte Vermarktung.

Die Blockflötensonaten Händels erschienen im Druck erstmalig im Jahre 1731 bei Roger in Amsterdam und 1732 bei Walsh in London. Entstanden sind sie jedoch schon 1725 für die Enkelinnen des englischen Königs George I. Händel unterrichtete die Prinzessinnen Anne, Amelia und Caroline Elisabeth im Cembalo- und Generalbassspiel. Wahrscheinlich waren die Flötensonaten als Generalbassstudien gedacht, die gleichzeitig auch das Zusammenspiel untereinander oder mit andern Mitgliedern des Königshauses ermöglichten.

Die Sonate C-Dur entspricht mit ihrem fünfsätzigen Aufbau dem italienischen Sonata da chiesa-Typ. Typisch für diese Form, neben der Fünfsätzigkeit, ist der kontrapunktisch sehr dichte schnelle 2.Satz, quasi eine Fuge in Ritornellform. Dieser Satz ist zugleich eine hochvirtuose Komposition für den Continuospieler! Eigentlich in allen langsamen Sätzen der beiden Sonaten „atmet“ die Oberstimme in ihrer Ausdruckskraft immer auch „Opernluft“ und zeigt eine klare Nähe zur Ausdruckstärke Händels in seinen großen Opern. Der Schlusssatz der Sonate ist eigentlich wieder ein cembalistisches Bravourstückchen.

Im Februar 1711 feierte Händel mit der Oper Rinaldo eine Aufsehen erregende Premiere. Bereits im April 1711 erscheint dann bei dem Verleger John Walsh eine Bearbeitung für Blockflöte solo! 18 Titel der überaus erfolgreichen Oper finden sich unter: „The new Flute Master…with the newest Airs…particulary the Favourite Song Tunes in the Opera of Rinaldo“. Diese wohl nicht durch Händel selbst gefertigte Bearbeitung führt die Hauptmelodien der Vokal- und Orchesterstimmen im Blockflötenpart zusammen. Diese Art der Fassung trägt dem Bedürfnis des Publikums nach Reproduzierbarkeit der Musik und des sich Erinnerns an das große Opernspektakel Rechnung. Unsere „Rinaldo“-Bearbeitung für Blockflöte und Basso continuo bettet die Hauptstimme der Blockflöte ein in den harmonischen Kontext des Orchesterklanges durch Verwendung des Cembalos. Neben der großen Orchester-Ouverture finden sich in unserer Rinaldo-Suite vier weitere Arien, u.a. „Lascia ch’io piango“, eine der berühmtesten Opernarien überhaupt.

Johan Helmich Roman, „the swedish Händel“, verbrachte in seiner Jugend einige Jahre in London, wo er bei verschiedenen Gelegenheiten auch mit Händel zusammentraf. König Karl XII. erlaubte ihm in der Zeit von 1715 bis 1721 einen Studienaufenthalt in England. Er bildete sich musikalisch bei Johann Christoph Pepusch und Attilio Ariosti weiter. In dieser Zeit hatte er eine Anstellung beim Herzog von Newcastle und Begegnungen mit bedeutenden Musikern wie Georg Friedrich Händel, Francesco Geminiani, Giovanni Battista Bononcini. Nach seiner Rückkehr im Jahr 1721 wurde er Vizekapellmeister der schwedischen Hofkapelle und ab 1727 deren Leiter. Aus seinem kompositorischen Schaffen sind seine 1727 im Druck erschienen „ XII Sonate a flauto traverso, violone e cembalo“ heute besonders bekannt, aus dem die 3. Sonate stammt, die im heutigen Programm zu hören ist.

1726 hörte Johann Joachim Quantz Giuseppe Sammartini und bezeichnete ihn später in seiner Autobiografie als den „guten Hoboisten San Martino“. 1728 emigrierte Sammartini aus Mailand über Brüssel nach London, eine Stadt, die er nicht wieder verlassen sollte. Unter Georg Friedrich Händel spielte er im Londoner King’s Theatre und wurde zu Lebzeiten als Oboenvirtuose sehr berühmt. Seine Kompositionen – meist Sonaten oder Konzerte für das eigene Instrument, aber auch Concerti grossi und Flötensonaten– waren zunächst nicht sehr verbreitet. Viele seiner Werke wurden erst nach seinem Tod veröffentlicht, stießen dann allerdings auf großen Zuspruch und wurden bis ins 19. Jahrhundert in den Concerts of Ancient Music gespielt.

Händels lebenslange Freundschaft mit Georg Philipp Telemann geht auf Telemanns Studienzeit in Leipzig zurück, wo sich die beiden erstmalig begegneten. Telemanns Sonate d-moll entstammt der Sonatensammlung „Essercizii Musici overo Dodeci Soli e Dodeci Trii à diversi stromenti“ – die er 1739/1740 im Selbstverlag herausgab. Auffällig ist in dieser berühmten Sonate der sehr spezifischer Umgang des Komponisten mit den klanglichen Möglichkeiten der Instrumente und einer differenzierten Darstellung von Affekten.

Am 14. Juni 1720 erhielt Händel das Copyright-Privileg von König George I, der ihm damit das alleinige Druckrecht seiner Werke für 14 Jahre sicherte. Die Suite E-Dur für Cembalo Solo entstammt den „8 Suites des Pieces pour le Clavecin“, die Händel im November 1720 in London veröffentlichte. Schon im Titel zu ersehen, orientiert sich das Werk am Repertoire und Musikstil der französischen Clavecinisten, ähnlich wie auch Dieupart dies schon tat.

Francesco Geminiani (1687-1762) war als Violinist, Komponist und Musiktheoretiker ein geschätzter Kollege Händels. Ein gemeinsames Konzert der beiden in St. James Palace in London ist belegt, bei dem Händel Cembalo spielte. Das Lied „Ann thou were my ain thing“ erscheint erstmalig 1725 in der Schottischen Liedsammlung „Orpheus Caledonius“ die dort als Komponist David Rizzio ausweist. Francesco Geminiani präsentiert dieses Lied in den „Rules for Playing in a true Taste…; London 1746“. In diesem Musiktraktat werden anhand von Variationen über englische, schottische und irische Melodien, die Möglichkeiten von Verzierungen unter Aspekten des „guten Geschmackes“ ausgelotet“.

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