Ja, ich will Bass spielen!

Dieser Wunsch taucht im Leben eines Blockflötenspielers irgendwann auf, sei es, dass er im Ensemble mit Mitspielern entsteht oder auch persönlich die Sehnsucht nach Klangerweiterung in das Bassregister im Vordergrund steht!

Bassblockflöten in verschiedenen Bau-Typen und Stimmlagen zu spielen, beinhaltet für die meisten drei große Herausforderungen: zum einen ist dies die Notation und das Lesen von Bassstimmen im Bassschlüssel. Andererseits ist ein größeres Instrument von der Haltung her zu bewältigen mit zum Teil deutlich größeren Griffabständen für die Finger, als bisher auf kleineren Blockflöten erlebt. Die dritte Herausforderung wird von manchen unterschätzt, dass auch der Klang auf einem Bassinstrument einen etwas anderen Umgang mit unserem Atem erfordert.

Ich möchte in diesem Artikel die unterschiedlichen Aspekte des Erlernens der Bassinstrumente in der Blockflötenfamilie aufzeigen, mit besonderem Blick auch auf die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten dieser Instrumente in Blockflötenensembles.

Es gibt zwei Wege, auf denen das Erlernen der Bassblockflöte geschehen kann und die sich beide auch sehr gut miteinander verknüpfen lassen:

  1. Die individuelle Beschäftigung mit dem Instrument­
  2. Das Spiel im Ensemble von Anfang an

Weg 1: Die individuelle Beschäftigung mit dem Instrument

Natürlich haben wir beim Erlernen eines neuen Instrumentes das Bedürfnis, dieses erstmal zu erkunden:

wo sind die Finger zu positionieren, wie halte ich das Instrument am besten, wie muss ich meinen Atem einsetzen, dass das Instrument gut klingt und wie lese ich jetzt den Bassschlüssel…?

All‘ dies sind Fragen, die wir zunächst individuell beantworten und erspüren sollten. Ein Coaching eines Lehrers oder Lehrerin ist unter Umständen sehr bei der Beantwortung dieser Fragen sehr hilfreich! Schauen wir doch einmal genauer auf die unterschiedlichen Herausforderungen:

Herausforderung 1: Haltung und Finger

Wenn wir das Instrument das erste Mal in den Händen halten…ist es sperrig! Wir müssen zunächst für uns herausfinden, was ergonomisch die beste Position für das Spiel des Instrumentes in unseren Händen ist.

Tipp: Probiert unbedingt verschiedene Positionen der Haltung im Stehen oder Sitzen aus. Nutzt Hilfsmittel wie Tragegurt, oder auch optional erhältliche Instrumentenstachel.

Unterstützung der Haltung mit Tragegurt

Instrumentenstachel für Position im Stehen

„X-Position“, Aufstützen der Flöte auf die gekreuzten Beine

Um Grifflöcher zu schließen, müssen sich die Finger viel mehr spreizen als auf kleineren Instrumenten. Folgende zwei Abbildungen zeigen sehr gut den Vergleich zwischen Handposition der linken Hand auf einer Altblockflöte bzw. einer Bassblockflöte:

Handposition Alt
Handposition Bass

Gleichzeitig gibt es Fingerklappen, die die Finger finden und schließen müssen. Das ist erstmal gewöhnungsbedürftig und will erobert werden. Auch der Unterschied von einfachen Grifflöchern, und Grifflöchern mit Klappen sind bei gleichzeitiger Verwendung oft eine feinmotorische Herausforderung hinsichtlich der Synchronität.

Tipp: Probiert immer wieder die Grifflöcher zu erspüren, aber nehmt Pausen für die Hände sich zu entspannen durch Hände reiben, flexibel massieren etc. Spielt langsame Tonverbindungen, spürt, wo die Töne auf dem Instrument sitzen! Bei langen Tönen können die Finger, die nicht benötigt werden, auch immer wieder entspannen!

Natürlich spielt die Wahl des Instrumentes hier eine große Rolle. Neben der Frage, welches Bassinstrument uns klanglich am besten gefällt, sollten wir unbedingt auch die Frage der Spielbarkeit eines Instrumentes beachten. Viele Hersteller bieten mittlerweile ergonomisch angepasste Instrumente an, wie zum Beispiel durch „geknickte“ Kopfstücke und unterschiedliche Grifflochabstände. Je nach Handgröße, und Fingerlänge des jeweiligen Spielers unterscheidet sich dadurch die Spielbarkeit der Instrumente in ergonomischer Hinsicht sehr!

Tipp: Vor der Kaufentscheidung empfehle ich Euch unbedingt, die unterschiedlichen Instrumente vergleichend auszuprobieren. Der Fachhandel berät und hilft hier gerne!

Herausforderung 2: Der Atem

Wir vermuteten es schon: ein größeres Instrument hat einen größeren Windkanal und eine viel längere Luftsäule. Für unsere Atemluft bedeutet dies, dass das Bassinstrument deutlich mehr Luft als beim Spielen eines kleineren Instrumentes benötigt, um zum Klingen gebracht zu werden. Wenn wir zum Beispiel einige lange Töne spielen, merken wir dies sofort. In der Musik benötigen wir deshalb mehr Atemstellen als gewöhnlich. Das ganze Instrument (vor allen Dingen auch bei einer- Groß- oder Subbassblockflöte) reagiert auch insgesamt passiver in der Ansprache als ein kleineres Instrument. Ein Bassinstrument muss sich zunächst mit Luft füllen und ist damit einfach später als kleinere Instrumente. Dieses ist vor allem im Zusammenspiel mit anderen Instrumenten ein Thema. Wenn man alleine spielt, spürt man vor allem den größeren körperlichen Aufwand im Spiel.

Tipp: Plant Eure Atemstellen gut in der Musik! Genießt es zu spüren, wie ein tiefer Ton sich vom Blasen her im Mund anfühlt- bei tiefen Tönen eher wie beim Vokal „U“, bei einem hohen Ton eher mit dem Vokal „I“.

Herausforderung 3: Notation

Abhängig vom gewählten Instrument (F-Bass, C-Großbass, F-Subbass) und der Verwendung in der Musik ist tatsächlich nötig, Bassschlüssel lesen zu können. In allen Unterrichtswerken, siehe Literaturempfehlungen unten, ist dieses Thema gut aufbereitet, sodass dies Fähigkeit schnell zu erwerben ist. Wer schon mit dem Bassschlüssel vertraut ist von anderen Instrumenten her, muss das nur noch auf die Blockflöte übertragen.

Tipp: Nehmt Euch ein Lehrwerk zur Hilfe, dann wird das Notenlesen systematisch aufgebaut! Literaturempfehlung hierzu siehe unten. Vielleicht ist der Start mit der Bassblockflöte auch ein guter Anlass, mal wieder ein paar Unterrichtsstunden zu nehmen? Mit Lehrer*in geht’s einfacher!

Nachdem wir die Bassblockflöte eine Weile erkundet haben, würde ich unbedingt empfehlen, das Instrument auch schon bald im Ensemble einzusetzen! Hierbei ist vor allem wichtig, dass die Ensembleleitung dies musikalisch gut plant mit, dafür geeigneter Literatur. Geeignet ist vor allem Musik, in der die Bassstimme in ruhiger Bewegung, mit wenigen verschiedenen Tönen etc. verläuft. Mit dem „Workshop Baßblockflöte (Univeral Edition) in 3 Bänden, siehe Literaturempfehlungen, gibt es sehr geeignetes Praxismaterial für Quartettbesetzung, inklusive Mitspiel-CDs, die einen Start praktisch erleichtern und großen Spaß machen!

Weg 2: Start im Ensemble

Es gibt einen weiteren Aspekt im Einsatz von Bassinstrumenten im Blockflötenensemble, der noch eine ganz andere Startmöglichkeit mit Bassblockflöten im Ensemble ermöglicht. Hierfür schauen wir einmal auf die verschiedenen Bassinstrumente der Blockflötenfamilie und deren Verwendungsmöglichkeiten im Blockflötenensemble.

Blockflöten sind (mit Ausnahmen) im Prinzip F- oder C-Instrumente. Wir kennen dies praktisch als Unterschied zwischen Alt- und Tenorblockflöte, die auch diese beiden verschiedenen Grundtöne haben. Ein komplettes 4-Fußregister im Blockflötenensemble (benannt nach der Fußlänge von Orgelpfeifen) besteht aus:

4-Fuß-register:

C          Sopranblockflöte

F          Altblockflöte

C          Tenorblockflöte

F          Bassblockflöte

Das 8-Fußregister ist die doppelte Länge und klingt eine Oktave tiefer:

8-Fuß-Register:

C          Tenorblockflöte

F          Bassblockflöte

C          Grossbassblockflöte

F          Subbassblockflöte

In einem großen Blockflötenensemble ist es klanglich sehr reizvoll, Klangunterschiede in der Registerwahl oder auch in der Kombination der beiden Register zu realisieren. Dies entspricht sehr der Verwendung unterschiedlicher Register in einer Orgel. Ein brillantes und bewegliches Musikstück wird brillanter durch die Besetzung hoher Instrumente im 4-Fußregister, während ein klangvolles Werk mit Blockflöten nur im 8-Fußregister besetzt, dadurch noch viel sonorer klingt.

Schaut man sich die Besetzungsliste des 8-Fußregisters an, fällt auf, dass außer dem Tenor, alle tieferen Instrumente andere Bassblockflöteninstrumente sind, aber nicht alle im Bassschlüssel gelesen werden müssen!  

Wenn jetzt Spieler*innen der Mittelstimmen dies mit tiefen 8-Fußinstrumenten (also F-Bass und C_Großbass) tun, hat dies jetzt jetzt allem den großen Vorteil, diese Stimmen im Violinschlüssel lesen und spielen zu können, ohne abgeschreckt zu werden vom Bassschlüssel! Ich kann so eine mir schon bekannte Stimme mit einem Bassinstrument eine Oktave tiefer spielen. Spiele ich also eine F-Baßblockflöte im Alt, lese ich es im Violinschlüssel, wie ein hohes Instrument und es bleiben nur die oben beschriebenen individuellen Herausforderungen der Eroberung des Instrumentes.

Dieser Start ist für viele Altblockflötenspieler*innen ein wunderbarer Weg im Ensemble, erst den F-Bass kennenzulernen und dann zum späteren Zeitpunkt den Bassschlüssel noch zu erlernen. Für das Ensemble ergibt sich zugleich auch der Vorteil, dass diese Instrumente schon sehr früh in die musikalischen Zusammenhänge des Ensembles integriert werden können.

Der gleiche Zusammenhang stellt sich natürlich auch für Tenorblockflötenspieler*innen dar, die mit der ebenfalls auf C gestimmten Großbassblockflöte beginnen können im Ensemble. Das Lesen des Bassschlüssels kann dann zum späteren Zeitpunkt erfolgen und ist erst mal nicht nötig und erleichtert somit das unbeschwerte Losspielen mit den großen Instrumenten.

Dieser Start des Spiels von Bassinstrumenten im tiefbesetzten Blockflötenregister des Ensembles ermöglicht einen unbeschwerten Einstieg und eigentlich schon sehr bald einen hohen klanglichen Genussfaktor, sowohl für den Einzelnen als auch das gesamte Ensemble.

Noch tiefer als Bass?

Ja! Mittlerweile geht es richtig weit runter im Bassregister der Blockflötenfamilie! Eine Oktave unter dem F-Bass ist der Subbass, ebenfalls auf F gestimmt. Und seit einigen Jahren werden auch noch tiefere Instrumente gebaut, die als 16-Fuß Bass eine eine Oktave unter dem Grossbass, beziehungsweise Subbass klingen- diese Instrumente sind die Subkontrabassblockflöte in C und der darunter liegende Subkontrabass in F.

Mit dem 16-Fußregister ergibt sich dann ein noch volleres Klangfundament, das vor allem für größere Ensembles, ab 8 Spieler aufwärts, sinnvoll ist. Dies wäre dann eine weitere klangliche Perspektive für Spieler, die nach Erfahrungen im 8-Fußregister nach noch tieferen Herausforderungen suchen. Einen Start im Bassregister würde ich aber immer mit einem F-Bass oder einem Großbass in C empfehlen um den Bass-sound von da aus zu entwickeln und zu genießen!

Allen viel Spaß dabei!

Literaturempfehlungen:

  • Oefeningen voor Basblokfluit, Herman Kaldeway, Blokfluit & Muziek,L8,  www.blokmuz.nl
  • Workshop Bassblockflöte, Bassblockflöte lernen im Ensemble, Irmhild Beutler, Martin Ripper, Sylivia C.Rosin, 3 Bände, Universal Edition UE 31 970
  • Warum nicht Bass-Blockflöte, Ursula Frey und Lotti Spiess, Edition Pelikan 3005
  • Das Spiel auf der Bassblockflöte, Helmut Mönkemeyer,Edition Moeck, Nr. 2038

Text und Fotos: Copyright Frank Oberschelp

Weitere Infos unter: http://www.frank-oberschelp.de

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